Ein Brief an die Krankenkasse

So in etwa…. 

Der Weg zu einem neuen Rollstuhl für Mika

 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

es ist Oktober 2016. Der Fußsack wird in den Rolli gestopft, Mika hinterher und die ersten Gedanken dazu… Es wird ja langsam eng.

Februar 2017, es wird immer enger, Mika hängt schief darin und der nächste Termin zur Besprechung der Neuversorgung ein viertel Jahr später.

In dieser Zeit treffen wir uns immer wieder im Sanitätshaus (das uns jetzt mittlerweile seit sechs Jahren betreut ) , dass sich die größte Mühe der Vorauswahl macht, Rollstühle verschiedener Firmen schicken lässt und wir diese probieren. Zusätzlich besuchten wir Messen (letzte Rehacare Düsseldorf 2016) beraten uns mit anderen Eltern bei Treffen der Deutschen Muskelstiftung und den Physiotherapeuten der UniReha in Köln, wo Mika sehr erfolgreich seine aus Spenden finanzierte Galileo Therapie absolviert , da  diese  Kosten von Ihnen  nicht finanziert werden.

Es ist mittlerweile Mai 2017 und wir sitzen zusammen im SPZ und sprechen über die drei vom Sanitätshaus mitgebrachten und vorausgewählten Rollstuhlmodelle und sind bemüht für Mika’s Lebenssituation den perfekten Rollstuhl zu finden.

Vom Handling+Gewicht  kamen nur der Mio von SORG und der Lox von MOLAB in Betracht. Da Mika den zweiten MIO im Moment „fährt“, dieser ständig irgendwo repariert werden musste (Kippschutz, Bremsen, Rückenbrett lose…) Auf einen Reparaturauftrag hat unser Sanitätshaus verzichtet, da Mika nicht noch mehr im Alltag eingeschränkt werden sollte (Wartezeit bis zur Genehmigung).

In einer Telefonkonferenz mit MOLAB GmbH besprachen wir alles weitere um Mika’s Lebensqualität mit dem für ihn perfekten Rollstuhl zu verbessern.

Es ist Anfang Juni 2017 und das Rezept wird vom Sanitätshaus bei der Ihnen, der Krankenkasse eingereicht.

Etwa 14 Tage später erfolgt ein Besuch von Herrn P. (Ein anderes Sanitätshaus) . Im Auftrag eine Lagerversorgung zu prüfen oder ein Angebot zum Vergleich zu erstellen. Die Aussage des Mitarbeiters war, dass das Sanitätshaus…  diese Versorgung nicht leisten kann.

Einige Zeit später erfolgten weitere Gespräche mit dem Hilfsmittel-Management der Krankenkasse, die Bitte eines weiteren Angebots. (zu hohe Kosten, es gibt 21 Rollstühle im Hilfsmittel Katalog… Ja, z.B. mit einem Gewicht von ca.19 kg, kann kein Kind bewegen, das 17 kg wiegt…)  Da wir uns aber schon die viele Arbeit gemacht haben, verschiedene Rollstühle getestet und im SPZ mit größter Mühe Fachkompetenz den Rollstuhl ausgewählt haben, sehen wir dafür keine Notwendigkeit. Dies hat Frau J. vom Sanitätshaus  in einer Mail Herrn P. der Krankenkasse erläutert, zusätzlich erhielten Sie vom SPZ  eine Begründung zur Versorgung mit dem Aktivrollstuhl von MOLAB.

Mika kann weder stehen, frei sitzen oder krabbeln. Ein perfekt passender Rollstuhl ermöglicht ihm überhaupt am Alltag teilzuhaben. Mit unpassenden Schuhen können wir gesunde Menschen nicht vernünftig laufen und mit einer Brille die nicht optimal angepasst ist sieht man nicht richtig, eventuell klemmt es „nur“ hinter den Ohren.(von Folgekosten teurer OP’s aufgrund eines unpassenden Hilfsmittels und weiterer gesundheitlicher Belastungen für Mika ganz abzusehen) 

Nach einem ambulanten Termin in der UniReha Köln, sind wir mit Mika nach Unna in das Werk von MOLAB gefahren. Dort vor Ort konnten wir den Rollstuhl noch perfekter gestalten. Haben die Schwungräder verändert, eine andere Bereifung gewählt und auf den Speichenschutz verzichtet (Hat das Sanitätshaus gesponsert und der große Bruder im Betriebspraktikum gestaltet).

Kein anderer Rollstuhl bietet uns so eine individuelle Bauweise,

z.B. Sitzbreiten gibt es mit vorgegeben Sitztiefen (Cleo von Hoggy) , die nicht immer optimal zusammen passen

z.B. Abduktionskeil nur in zwei vorgegebenen Größen (Cleo von Hoggy),

z.B. vorgegebene Unterschenkellänge +Rückenhöhe – Maßkombinationen (Buddy von Pro Active)

wie etwa einen Radsturz von 13 Grad, Greifreifen mit Bezug zum Anfassen im Winter, Outdoorbereifung um auf unserem unebenen Grundstück, im Spreewald, vielleicht auch im Urlaub am Ostseestrand oder im Winter, oder dem Schulhof, und und und… selbstständig vorwärts zu kommen. Dazu einen Adapter (natürlich privat finanziert) um ihn mit dem Fahrrad mitzunehmen. Dies ist im Moment nur im Anhänger – Sonderbau – (privat finanziert) möglich, jedoch können wir nirgends anhalten, da wir ja ohne Rollstuhl unterwegs sind.

Dieser Rollstuhl kann crashgetestet gebaut werden, das geht zusätzlich wieder auf das Eigengewicht. Darauf haben wir bei der Konfiguration verzichtet, da Mika auf Grund seines Krankheitsbildes gar nicht im Rollstuhl transportiert werden kann. Er sitzt im speziellen Autositz mit 5-Punktgurt, seitlich geführter Kopfstütze…).

Die ersten Überlegungen waren eine Versorgung mit einem E-Motion-Antrieb. Das würde beim ständigen heben ins Auto rein und wieder raus unseren Rücken zusätzlich noch belasten, dazu Ihre Kosten.

Eine Hilfsmittelnummer ist laut Rechtslage bei einer Versorgung nicht zwingend notwendig, dies wird Ihnen noch gesondert dargestellt.

Wir möchten von einer Alternative absehen und Sie herzlich bitten Ihre Entscheidung zu überdenken. Als Unterstützung bieten wir Ihnen ein Schreiben von Frau A., vom Team von der Uniklinik Essen und vom Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg. Zusätzlich liegt eine Stellungnahme von Herrn B., MOLAB GmbH vor. Er ist für Sie gerne telefonisch für Rückfragen erreichbar .

Wir sind in den letzten Tagen im Juli 2017, hatten im Mai gehofft, dass Mika mit seinem neuen Rollstuhl seine Schulzeit beginnen kann…

Der Bau, egal in welchem Werk, egal von welchem Hersteller dauert weitere vier Wochen.


Mit freundlichen Grüßen… 

Nach einem Schreiben der Krankenkasse mit Beratung durch den MDK, der ausgesuchte Rollstuhl wäre nicht crashgetestet (für den Transport von Mika im Auto, sitzend im Rollstuhl), eine fehlende Hilfsmittelnummer (nicht möglich bei individuellen Sonderbau), mit angegeben Alternativen wie den Cleo oder den Buddy…

Warum werden unsere gesamten Bemühungen in jeglicher Fachkompetenz und Erfahrung aller die zur Konfiguration des Rollstuhls nicht beachtet? Der kleine primitiv denkende Kopf kann das nach 24 Jahren Mitgliedschaft nicht verstehen, wird ungeduldig … Und zum Arzt gehen wir doch nie… Außer Zahnarzt und Gynäkologe, jährlich zur Kontrolle, Physiotherapie, ab und zu wenn es gar nicht mehr geht… finanzieren wir selbst… Haben ja auch keine Zeit uns in die Praxis zu setzen… Wirtschaftlichkeit und solche Aussagen… Gerne nutzen wir einen Stehtrainer, einen Autositz, einen Therapiestuhl im Wiedereinsatz… Nur ein Wunsch… Mika seine Fahrt durchs  Leben ein bisschen, „leichter“  zu machen… Mit „seinem“ perfekten Rollstuhl und Vertrauen in die jenigen die sich darum bemühen….

Wir warten auf Antwort…. 

 

 

Ein Gedanke zu „Ein Brief an die Krankenkasse

  1. Lieber Mika,

    Ihr dürft nicht verzweifeln, es wird sicher eine Lösung geben.
    Ich glaube, an den Stellen, die derartige Entscheidungen treffen, sitzen die Falschen. Diese Menschen können sich in derartige Schicksale nicht hineinversetzen und verstehen das Ganze nicht . Sie verstehen nicht, dass so ein kleiner Mensch auch ein Recht auf ein glückliches Leben hat und auf eine besondere Lebensqualität Anspruch hat.
    Es ist sehr traurig, aber es ist leider so.
    Für alles müssen Anträge gestellt werden , die dann irgendwo liegen.

    Ich wünsche Euch trotz aller Probleme eine schöne Woche, vor allem gesunde Woche, das Andere wird sich schon zum Guten wenden. Ich drücke Euch ganz toll die Daumen.

    Alles Liebe und eine dicke Umarmung

    Dorothea

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